Wir haben Gäste am 6. November 2015

FRANCESCA MAGISTRO LUCUS A NON LUCENDO
LJON Kölner Folktrio um Nastja Sittig

Eröffnung: Freitag, 6. November 2015
Einlass ab 20 Uhr

Der Fotoraum Köln e.V. präsentiert mit “Lucus a non lucendo” eine dokumentarische Arbeit von Francesca Magistro (ITA). In dem interdisziplinären Projekt beleuchtet Francesca Magistro mithilfe von Fotografien, dem Medium Zeitung und Interviews in Videosequenzen die Auswirkungen der Erdölförderung in einer der ärmsten Regionen Süditaliens, Basilikata – auch bekannt als Lukanien.

Das eigentlich idyllische Landleben steht im Schatten der nahen Raffinerie.
Über mehrere Jahre begleitete Francesca Magistro mit Foto- und Videokamera u.a. den Alltag des Bauern, dessen Land unmittelbar an die Raffinerie grenzt. Außerdem befragte sie die Jugendlichen in der Umgebung, untersuchte ihren Umgang mit dem Wissen oder Nichtwissen über mögliche negative Auswirkungen dieser Raffinerie auf ihr Leben.

Während die internationalen Konzerne vom Ölgeschäft profitieren, blieb der versprochene Wohlstand für die lokale Bevölkerung aus. Die Region kämpft mit Arbeitslosigkeit und Abwanderung. Die Zerstörung der einmaligen, naturbelassenen Landschaften und des ökologischen Gleichgewichts hat u.a. dem Tourismus und der Landwirtschaft schwer geschadet. Gesundheitliche Risiken haben stark zugenommen und immer wieder kommt es zu gefährlichen Zwischenfällen.

Die Familie Francesca Magistros hat ihre Wurzeln in dieser Region. Das Projekt wurde inspiriert vom Mut und der Beharrlichkeit der Lukaner.
Um den Menschen in der Basilikata einen von ihnen selbst erzählten Überblick über ihre Lebensumstände zu verschaffen, wählte Magistro das Medium Zeitung, dessen Aufgabe es ist, über komplexe Sachverhalte zu informieren und Missstände aufzudecken. Diese Wandzeitung soll den Bewohnern Lukaniens eine Möglichkeit zum Protest aufzeigen. Magistro hat hierbei frühe Formen des demokratischen Widerstands gegen unzumutbare Verhältnisse in Form von öffentlich zugänglichen Informationen im Sinn.
Zwei Exemplare dieser Zeitung ergeben eine Gesamtausgabe an einer Wand, sechs Meter breit und drei Meter hoch. Durch die Plakatierung an öffentlichen Wänden in der Region Lukanien ist eine Form des Protestes möglich, die den Bewohnern möglicherweise so zu-nächst nicht in den Sinn gekommen wäre.

Die Fotografin präsentierte die Zeitung erstmalig als Abschlussarbeit des Masterstudiengangs “Dokumentarische Fotografie” an der University of Wales, Newport. (Inhaltliche Unterstützung über Hintergründe und Zusammenhänge erhielt Francesca Magistro von Marcello Cozzi von Libera Basilicata.)

Francesca Magistro ist Mitglied des Fotoraum Köln e.V. und wird am Eröffnungsabend anwesend sein.

 

 

LJON, Folktrio um die Singer-Songwriterin Nastja Sittig

Was man nicht hört, nicht sieht – das, was zwischen den Zeilen und Noten lebt – knisternd, im Verborgenen: Mit einer Geisterbeschwörung zwischen lyrischem Indie-Folk und minimalistischem Americana zieht die Musik Ljons den Zuhörer in ihren Bann – vertraut und befremdlich, tief und klar, in sich gekehrt und offen zugleich.

Das Kölner Folktrio um die Singer-Songwriterin Nastja Sittig schafft eine knisternde Atmosphäre – und das mit einfachen Mitteln. Filigrane Gitarrenzupfmuster, verschlungene Bassmelodien (Erik Werner) und pulsierende Schlagzeugkessel (Matthias Traschütz) bilden den Erdboden, über

den sich Nastjas Liedergeschichten wie Thoreaus Wälder erstrecken. Eigenwillig nimmt sie uns mit auf die Reise: eine Erinnerung an eine Zeit, in der man oft traurig, aber dafür auch ganz ungebremst glücklich gewesen sein muss.

“Leben, Lieben & Leiden – aber unzerstörbar bleibt die Schönheit. Sie rettet die Welt, sie macht Tränen zu salzigem Wasser, zum Wasser des Lebens. Wer weint, ist lebendig, er fühlt noch, trotz all dem. Wer noch weinen kann, der ist Zynismus und Bitterkeit, diesen unheilsamsten Lebenshaltungen, entgangen. Die Musik von LJON kommt aus irgend einer Gegend, in der man schon einmal gewesen sein muss, es ist länger her. Eine ferne Reise, eine Erinnerung an eine Zeit in der man oft traurig, aber dafür auch ganz ungebremst glücklich gewesen sein muss. Erschöpft nach einer langen Wanderung fiel man damals auf den warmen Sandboden eines einsamen Campingplatzes in Südfrankreich, auf der Suche nach sich selbst und trank Landwein ohne Etikett aus der Region – und da saß Nastja Sittig mit einer Gitarre und hat ihre Lieder gesungen. Ich glaube, man kann das nie wieder vergessen und beim hören ihrer Musik entsteht, ja erfindet sich musikalisch eine reinere Vergangenheit, in der man das einmal erleben durfte. Das macht nicht traurig, diese traurigen Lieder machen daher glücklich. Sie entstehen aus einer tiefen Ruhe, die tragische Texte, aber eben auch große Klarheit und Einfachheit kennen. Es lohnt sich, zu leben, nothing is in vain.”  Frank Berzbach

Ljon: Songwriting/Gesang/Gitarre: Nastja Sittig, Bass: Erik Werner, Drums: Matthes Traschütz

 

Fotoraum Köln e.V. | Wir haben Gäste

Der Fotoraum Köln e.V. ist eine Arbeits- und Ausstellungsplattform für zeitgenössische, künstlerische Fotografie und interdisziplinäre Projekte. Der Verein formierte sich 2015 aus der nunmehr 13 jährigen Ausstellungspraxis des Fotoraums – einer privaten Initiative, deren Mitglieder (alle selbst Künstlerinnen) sich in dem Bereichen Bildende Kunst und Musik mit kulturellen und künstlerischen Projekten seit Jahren engagieren.
Ziel des Fotoraum Köln e.V. ist es, einen besonderen Ort für internationale Gegenwartsfotografie zu schaffen und junge Talente zu fördern. Junge Dokumentarfotografie und Fotojournalismus gehören ebenso zum großen Spektrum der präsentierten Kunst wie Landscape, experimentelle, inszenierte und kon-zeptionelle Fotografie. Jedes Jahr werden bis zu fünf Ausstellungen für Gastkünstler in den Räumen eines ehemaligen Ladenlokals organisiert.

In der Ausstellungsreihe „Wir haben Gäste“ präsentiert der Fotoraum Köln e.V. interdisziplinäre Projekte aus den Bereichen Fotografie, visuelle Medien und Musik. Herzstück der Veranstaltung ist die Konfrontation zweier Künstler aus unterschiedlichen Sparten am Eröffnungsabend einer mehrwöchigen Ausstellung. Präsentiert wird zum einen der Fotograf / die Fotografin mit einem eigens für diesen Raum angefertigten Ausstellungskonzept. In Korrespondenz dazu gibt es ein Musikkonzert, einen Audio-Beitrag, eine temporäre Installation oder einen Vortrag. Zwischen beiden Künstlern findet ein Austausch statt, der sich am Abend der Veranstaltung in der Begegnung mit dem Publikum.